Kategorie: Festival (Seite 2 von 3)

Chaosium Dienstagsprojekt begeistert mit Hey Du! – Masken beleiten in den Abend

Am Sonntag kam die Sonne wieder raus, entspannt konnte es in die Nachmittags-Vorstellung von „Hey Du! gehen. Vor vollem Saal präsentierte das Dienstagsprojekt ihre Theater-Film Collage und das Publikum konnte sich der Situationskomik kaum entziehen. Die Spieler schienen in Hochform und so wurden die kleinen Begegnungen voll ausgespielt.
Danach begeleiteten die Maskenwesen der „Maske Blauhaus in Tinaia“ die Zuschauer in den Abend.

Gegendarstellung zu dpa Meldung vom 09.04.2015 mit der Überschrift „Theaterfestival mit psychisch Kranken in Kassel“ (dpa/lhe)

Hiermit distanziere ich mich deutlich vom Inhalt der dpa Meldung vom 09.04.2015 mit der Überschrift „Theaterfestival mit psychisch Kranken in Kassel“ (dpa/lhe). Insbesondere von den Teilen: „Psychisch kranke Schauspieler mimen gesunde Menschen – und umgekehrt“ / „Eine Gefahr gehe von Akteuren nicht aus, betonte Radunz. Die Schauspieler seien zwar zum Teil chronisch krank, nähmen aber Medikamente. Und sie seien nicht akut von einer Psychose betroffen, wenn sie auf der Bühne stehen.“ außerdem von dem unbedachten Wortgebrauch von „Kranke“ und „Gesunde“.

In der Meldung werde ich, Dirk Radunz als einer der Leiter und Initiatoren des Theaterwahn Festivals in Kassel zitiert. Der Meldung zugrunde liegt ein Telefonat vom Morgen des 09.04.2015 mit Herrn Timo Lindemann vom dpa Büro Kassel. Herr Lindemann wollte ergänzende Informationen zur Pressemitteilung mit beiliegendem Programmheft zum benannten Festival. Die daraufhin verfasste Meldung entstellt Gesagtes jedoch in ihrem Sinn völlig ins Gegenteil in einer stigmatisierenden Art und Weise, wie ich dies bisher selten erlebt habe. Dies wird vom entsprechendem Wortgebrauch weiter unterstützt. Die zuvor benannte Pressemitteilung scheint Herr Lindemann jedoch kaum verwendet zu haben.

Deutlich möchte ich betonen, dass die größte Gefahr von vermeintlich Gesunden ausgeht, die Menschen mit psychischen Erkrankungen partout als „gefährlich“ einstufen.

Jeder Akteur mit psychischer Erkrankung geht ein hohes Risiko ein, wenn er offen mit seiner Krankheit umgeht, genau diesen Stigmatisierungen zu begegnen. Dass sie gerade von einem Redakteur der dpa kommen, die sich Objektivität und Verlässlichkeit auf die Fahnen schreibt und von der man mehr eine von Aufklärung und Sachverstand geprägte Berichterstattung erwartet, ist erschütternd.

Die Wirkung der Meldung werte ich zusätzlich als rufschädigend, was die Intention des Festivals und auch meine nun ca. 18 Jahre andauernde Arbeit im Bereich Theater mit der Beteiligung von Menschen mit Psychiatrie- und Psychoseerfahrungen angeht.

Dirk Radunz, Theaterwahn Festival

Mitunterzeichner:

Peter Kern, Geschäftsführer der sozialtherapie Kassel e. V.
Georg Sauer-Lochter, Vorstand von Netzwerk Theater e. V.
Reinhild Alber und Lotta Heinisch, Theaterwahn Festival und Theater Chaosium

Nachtrag:
Herr Lindemann hat sich sofort bei uns gemeldet und ist selbst schockiert über die Wirkung seiner Meldung. Er beteuert, es sei ein Missverständnis, seine Intension war eigentlich eine andere.

Nachtrag zwei
Eine neue dpa Meldung ist zum Ende des Festivals erschienen. Ohne Beanstandungen. Es gibt noch viel zu tun!

absurder Theaterwahn am Kaminfeuer

Im Hintergrund brennt das Kaminfeuer, während Mr. und Mrs. Smith ihre allabendlichen Dialoge führen, deren Absurdität bis ins Äußerste getrieben sind. Diesen Klassiker des absurden Theaters von Eugène Ionesco zeigte das Theaterprojekt der LWL-Klinik Herten am zweiten Abend im Theaterwahn Festival. Mr. und Mrs. Smith, Mr. und Mrs. Martin, das Dienstmädchen Mary, die in Wirklichkeit Sherlock Holmes ist und der Feuerwehrhauptmann geben sich immer mehr ein Feuerwerk von Alltäglichkeiten, Anekdoten, Geschichten und Gedichten und enden stark gespielt im gegenseitigen bombardieren von Plattitüden und Zungenbrechern.
Und doch trägt die kahle Sängerin noch immer die gleiche Frisur!

musikalisch schillernd verrückt – besser hätte ein Auftakt nicht sein können

Es war ein besonderer Tag, die Sonne schien und die Stimmung war entspannt als der Theaterwahn endlich los ging. Ein musikalisches Warm up lieferte die Meta-Band, die mit ihren teils selbst geschriebenen, teils gecoverten Liedern und bestem Blockflöteneinsatz die Herzen des Publikums eroberten. Nach Begrüßungsreden und kurzer aber prägnanter Eröffungsperformance durch das Theater Chaosium stellte das Teater TIMP die Welt auf den Kopf. Diese höchst musikalische, grotesk witzige Show begeisterte das Publikum zu stehenden Ovationen. Besser hätte ein Auftakt nicht sein können!

Realsatire und ernste Worte

Neben viel Dank und der Freude, dass es nun los geht, waren die Eröffnungsreden geprägt von der bitteren Realsatire, die sich in den letzten Tagen der ein oder andere Vertreter der Presse geleistet hat. Vor allem die am Mittwoch erschienene dpa Meldung brachte die Gemüter in Wallung und gab die Steilvorlage für die Forderung nach Abbau von Vorurteilen und Stigmatisierungen von Menschen mit psychischen Krankheiten.

Hier die Worte von Dirk Radunz für das Theaterwahn-Team:

Stigmatisierungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen sind alltäglich. Das musste ich selbst in den letzten Tagen zum Teil bitter in Pressegesprächen spüren. – Da wird gefragt, ob es gefährlich sei Theaterwahn-Aufführungen zu besuchen, eine andere Redakteurin möchte gern ein Interview mit jemanden die vielleicht nur ein bisschen Depressionen hat, sonst ein ganz normales Leben führt, aber eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen hat …

Gehen Betroffene mit ihrer psychischen Erkrankung offen um, wird es schwierig eine Wohnung, Jobs und selbst Freunde zu finden.

Wir sind nicht unsere Diagnosen!

Der THEATERWAHN möchte ein deutliches Zeichen setzen gegen solche und andere Diskriminierungen und Stigmatisierungen von Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Wir tun dies mit dem was wir gerne tun: Eine interessante Theaterarbeit, in die sich jeder ungeachtet seiner Vorgeschichte, seiner psychischen, geistigen oder körperlichen Verfassung einbringen kann.

Sie sehen hier zwischen Bühne und Publikum keine Gitter und doch sage ich Ihnen: Es ist gefährlich hier im Theaterwahn! Es besteht die dringende Gefahr, dass Sie am Ende mit verändertem Blick, mit neuen Erfahrungen den Raum verlassen!

In diesem Sinne: Lassen Sie sich vom THEATERWAHN anstecken!

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